Ein Mini-Road Movie mit Topsi Venter

Exploring | The Wine Lands, Südafrika

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Topsi Venter, die Grand Dame der südafrikanischen Küche. Egal wen man fragt, alle Wege der Küche Südafrikas scheinen zu Ihr zu führen.

Als ich sie das erste Mal in ihrem Restaurant traf, war mir das noch gar nicht bewusst.  Ich besuchte gerade Margot Janse in ihrem preisgekrönten Tasting Room im Quartier Francais  als die meinte, ich soll unbedingt zu Topsi gehen, da sie gleich ein paar Häuser weiter unten auf der gleichen Straße wohnt.

Manchmal betritt man eine Tür, und man ahnt nicht, was bald Wichtiges geschehen wird.  An diesen Nachmittag erwartete mich eine Reise in die Vergangenheit, in die Gegenwart und die Zukunft der südafrikanischen Küche in Vollgastempo.

Manchmal betritt man eine Tür, und man ahnt nicht, was bald Wichtiges geschehen wird.  An diesen Nachmittag erwartete mich eine Reise in die Vergangenheit, in die Gegenwart und die Zukunft der südafrikanischen Küche in Vollgastempo . Einige Tage davor hatte ich erfahren, dass Topsi eine alte Frau sei, die auf Grund einer  Operation kaum noch gehen und sprechen konnte, was, wie sich gleich herausstellte, nur zum Teil stimmte. Als ich das Haus betrat, stand Topsi mit ihren Krücken genau vor mir. Margot Janse hatte anscheinend kurz davor mit ihr telefoniert und sie wusste, dass ich kommen würde. „So, junger Mann“, sagte sie, „sie interessieren sich also für die südafrikanische Küche? Woher kommen Sie?“  „Eigentlich“ ,antwortete ich „halb aus Spanien, halb aus Österre...“. „Aus Spanien?...“ Sie ließ mir den Satz gar nicht zu Ende sprechen „da war dieser berühmte spanischer Koch vor ein paar Wochen bei uns in Südafrika . Wie heißt er den… ach ja, Ferran Adria, ich habe für ihn etwas gekocht, er war ganz nett, und neugierig wie ein Kind. Aber folgen Sie mir, ich zeige Ihnen was.“ Sie lief hinkend in die Küche. „Au weh mein Knie!, sagte sie, „ich habe eine Operation hinter mir“ fügte Sie hinzu.

 
 
 
 

Wir gingen kurz in die Küche, begrüßten Ihre Tochter Danielle, die gerade eine Bobotie , eine südafrikanische Nationalspeise mit malaysischen Wurzeln kochte und gingen gleich weiter in den dahinter liegenden Raum. Es war eine Bibliothek. Von unten bis oben Regale mit Kochbücher, Kochbücher und noch mehr Kochbücher. Als hätte Sie meine Gedanken lesen können, wusste sie, dass mich so was umhauen würde.  „Das ist meine Schatzkammer!“ , sagte die gelernte Architektin und Kunsthistorikerin, die irgendwann aus Liebe zum Essen zur Köchin mutierte. Sie begann mir Bücher zu zeigen, viele waren wundervoll illustriert. Ich war fasziniert. Sie nahm dann noch ein weiteres vom Regal und las mir darin vor. "Das ist von C. Louis Leipoldt , ein südafrikanischer Dichter „ …and there is the art of cooking, which is one the greatest expressions of culture and civilisation, because it converts food from a mere necessity into a social delight and  joycing in being alive, whoever cold the day and dark the night....“ Sie machte eine lange Pause und sah mich an. „Mir ist jetzt was eingefallen, wir fahren zur Renata! Komm, pack deine Sachen. Ich hole den Autoschlüssel“! Sie hinkte schnell Richtung Schreibtisch. Erschrocken dachte ich: „Oh mein Gott, mit dem Auto fahren? Ernsthaft? Wenn Sie fast nicht gehen kann, wie soll diese Frau überhaupt fahren können?“. Am Schreibtisch mit Mühe angelangt, öffnete Sie vorsichtig eine Schublade, plötzlich tauchte ein Papagei auf „ Darf ich vorstellen, sagte Topsi „hier ist Miss Oscar Wilde. Ich glaube, er ist schwul. Wo zum Teufel ist der Autoschlüssel?“ , fluchte sie laut.

Am Schreibtisch mit Mühe angelangt, öffnete Sie vorsichtig eine Schublade, plötzlich tauchte ein Papagei auf „ Darf ich vorstellen, sagte Topsi „hier ist Miss Oscar Wilde. Ich glaube, er ist schwul. Wo zum Teufel ist der Autoschlüssel?“ , fluchte sie laut.

 
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…Ach ja, Ferran Adria… ich habe für ihn etwas gekocht, er war ganz nett, und neugierig wie ein kleines Kind.

 
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Wir steigen in einen alten rostigen braunen Mercedes ein.  „Du musst während der Fahrt die Tür halten, die geht manchmal auf“, sagt Topsi.  „Wo fahren wir hin? Und wer ist denn diese Renata?“, fragte ich. „In die Vergangenheit und in die Zukunft!" antwortet Topsi. Renata Coetzee, –so erzählte mir Topsi während der Fahrt mit Vollgas durch die Winelands – ist Food-Historikerin, ebenfalls schon 80, und weiß zehn Mal so viel über die südafrikanische Küche wie jede/r andere. Sie forscht über die älteste Küche der Welt, die Jahrtausend alte Küche der San und der Khoikhoin Völker.

 
 
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Renata Coetzee forscht über die älteste Küche der Welt, die Jahrtausend alte Küche der San und der Khoikhoin Völker.

Das hat sie sich zur  Lebensaufgabe gemacht. Sie dokumentiert gerade die Pflanzen und Kräuter dieser Urküche - die der Fynbos-Vegetation. Danach könnten wir zu Schaun Shoeman fahren“, meinte Topsi . „Typen wie er verkörpern die kulinarische Zukunft unseres Landes. Der kocht mit diesen ganzen unbekannten Pflanzen und Kräuter im Restaurant Fyndraai. Das ist ein völlig neues Geruchs- und Geschmacksuniversum. Das wirst Du schon sehen“. „Das möchte ich hoffen! “ denke ich für mich während ich panisch die Tür des wackligen Mercedes dabei fest halte.

 
 
Schaun Shoeman

Schaun Shoeman

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In Memorian: Topsi Venter

 
 

That Recipe on my Mind