Die Köchin des Königs

 
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Ajarn Srisamorn Kongphan ist Köchin, Professorin, Ernährungsberaterin für das Thailändisches Königshaus und  Autorin von 22 Bestsellern über Thailändische Küche.

Ich saß vor einiger Zeit in einem gerade neu eröffneten und eleganten Thailändischen Restaurant. Dort fragte ich den Besitzer, einen etwas älteren und sehr vornehm wirkenden Thailänder, ob er mir sagen könne, wer der beste Koch Thailands wäre, da ich vor hatte nach Thailand zu reisen. Außerdem wollte ich über die Thailändische Esskultur mehr erfahren. Eigentlich war das mit „beim besten Koch Thailands essen zu wollen“ eher halb im Spaß gemeint. Ein einfacher Restauranttipp hätte mir vollkommen gereicht, aber inzwischen habe ich gelernt, dass A. Thailänder einen anderen Humorsinn haben, B.  sie schwer nein sagen können, und C. versuchen werden, egal wie auch immer, dir weiter zu helfen. Dem Restaurantbesitzer schmeichelte meine Frage, er drehte sich um und ging zu einem kleinen Schreibtisch im Speisesaal. Er kritzelte etwas auf ein Stück Papier in einer Schrift (Thai) die ich natürlich nicht lesen konnte, gab es mir und sagte: „Du musst zuerst dieses Papier einscannen und diesen Scan an folgende Email schreiben“, er tippte mit seinem Kugelschreiber auf die einzig für mich erkennbare Zeichen. „Das ist alles. Danach schauen wir weiter!“, meinte er.

 
 

Bangkok

 

„Danach schauen wir weiter?“.  Sechs Monate später und aus mehreren für mich noch unerklärlichen Gründen und Zufällen betrat ich etwas sprachlos das „Thai on 4“ Restaurant in Bangkok. Vor mir saß Ajarn Srisamorn Kongphan, Chefin des Restaurants, Professorin, Ernährungsberaterin für das Thailändisches Königshaus und  Autorin von 22 Bestsellern über Thailändische Küche. Ganz nebenbei hatte sie noch ihre eigene TV Show und ist eine der wahrscheinlich renommiertesten Expertin der Thailändischer Küche.

 
 
 

Ajarn Srisamorn Kongphan ist Autorin von 22 Bestsellern über Thailändische Küche. Ganz nebenbei hatte sie noch ihre eigene TV Show, und ist eine der wahrscheinlich renommiertesten Expertin der Thailändischer Küche.

 
 
 

Wir saßen gemeinsam an einem Tisch. Ich konnte kein Thai, sie konnte kein Englisch. Ihre Assistentin übersetzte für uns, oder sie versuchte es. Auf die Frage wie es mit ihrer eigenen Rezeptentwicklungen so sei, kamen die Wörter „Gesundheit“ und „Harmonie“ des Öfteren vor. Begriffe, die allgegenwärtig in der asiatischen Küche sind. Jedoch gewährte sie mir aber auch viele neue Einblicke. Zum Beispiel fragte ich sie, ob es tatsächlich eine differenzierte Royal Thai Cuisine gibt. So wie ich es verstand, sagte sie, dass im Grunde genommen, bis auf die optische Aufmachung (Thai Carving ist nur ein Beispiel), ein gewisses zeremoniell und die Qualität der verwendeten Produkte, was Rezepte anbelangt, keine großen Unterschiede zu traditionelles Thailändische essen gab, bis - und da machte Sie eine kurze Pause- dieses Gericht, der extra für die Könige damals kreiert wurde, als es noch keine Kühlschrank gab: Thapthim krop

 
 
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Thapthim krop.

„Königlich“ an diesem Gericht wäre folgendes: Der Schnee (oder das Eis) wurde vom Berg Puncak Jaya (4,884 m) im fernen Indonesien mit Elefanten durch tropische Gebiete in das ebenfalls tropische Bangkok geschleppt. So eine Extravaganz könnte sich in Thailand niemand anderes als der König leisten. Sie sagte etwas zur Assistentin und prompt war das Gericht in einer nach ihren Anweisungen gestalteten Schale vor mir:  „Crispy Rubies engl. oder Knusprige Rubinen dt: Wasserkastanien in Sirup auf Kokosmilch und Eis.

„Ist das auch das Lieblingsgericht vom jetzigen König?“ fragte ich.

Sie lächelte und ich verstand das als ein Nein.

„Welches Gericht ist es dann?“ wollte ich wissen.

Sie schmunzelte und sagte „Das ist ein Geheimnis.“

 
 
 
 

Wie viel “Schönheit” verträgt Essen?

In Thailand ist Ornament noch kein Verbrechen.

Thai Carving, wie Bitte? Was sich für Europäer anhört wie der besonders exotische Fahrstil thailändischer Skifahrer ist für Thailand fast schon so populär wie ein Volkssport. Vor allem aber ist „Kah sa Luk“, wie die Einheimischen ihre kunstvolle Obst- und Gemüseschnitzerei nennen, ein hoch angesehenes Handwerk mit langer mehrhundertjähriger Tradition.

Ihren Höhepunkt erreichte die Schnitzkunst im 19. Jahrhundert unter König Rama II. (1808 – 1824), der sogar eigene Abhandlungen über die Ästhetik des Thai Carving verfasste. Die von ihm formulierten Gedanken und Lehren, etwa, dass das Aussehen des Essens genauso wichtig ist wie der Geschmack,  haben tiefe Wurzeln in der thailändischen Gesellschaft geschlagen.

Im Unterschied zur chinesischen Schnitzerei sind beim Thai Carving jedoch alle Motive der Natur entlehnt und die Einzelteile sind immer aus einem Stück. In der chinesischen, vietnamesischen und anderen asiatischen Kulturen entstammen die Motive der Schnitzerei hingegen zumeist der Mythologie und werden oft gesteckt oder miteinander verklebt.

Was Adolf Loos dazu sagen würde?

 
 

The Cycle of Life - That Recipe on my Mind