Kämpft um euer Essen!

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Justin Bonello ist ein südafrikanischer Fernsehstar, Filmemacher, Buchautor und Koch. Er ist für seine “Outdoor Cooking” skills berühmt. Sozusagen der König der Busch-Küche. Vom saftigen Steaks bis hin zu rattenähnlichen Kleintieren die er in der Wildnis findet, gibt es in Südafrika nichts Essbares, welches Justin Bonello nicht schon gegrillt hat.

„Heute habe ich mir für dich etwas ganz Spezielles ausgedacht“ sagt er zu mir, als wir ins Auto steigen. Er dreht sich zu mir und fügt ernst hinzu, „ich esse nichts, was ich nicht selber getötet habe. Ich fände es sonst unmoralisch und du wirst dir dein Essen heute auch selber verdienen müssen!“ In der Natur gibt es keine Moral. Leben, Essen und Tod gehören zusammen!.

„Ich esse nichts, was ich nicht selber getötet habe. Ich fände es sonst unmoralisch und du wirst dir dein Essen heute auch selber verdienen müssen! In der Natur gibt es keine Moral. Leben, Essen und Tod gehören zusammen!“

Ich bleibe erst einmal stumm und nachdenklich. Durch meinen Kopf gehen Bilder, die ich in seinen Dokumentarfilmen gesehen habe, und manche waren nicht gerade angenehm. In meinem Rücksitz lehnend, aber nicht besonders entspannt, frage ich mich was mich heute wohl erwarten wird.

 
 
 
 

Wir fahren mit seinem Assistenten von Kapstadt aus, die R44 Straße entlang der Küste. Mit jeder Kurve wird es schöner und wilder. Nach einiger Zeit bleibt das Auto stehen. Vor uns ein riesiger, einsamer, atemberaubender Strand.

Ich schaue links, ich schaue rechts… „Und was soll es hier zum Essen geben?”

Ich schaue links, ich schaue rechts… „Und was soll es hier zum Essen geben?“ frage ich Justin etwas überrascht. „Ziehe Dir Deine Schuhe aus und komm mit“ , sagt er. Justin geht zügig einige Schritte voraus, Richtung Wasser. Plötzlich bleibt er auf Knöchelhöhe im Wasser stehen und fängt an einen Art „Let´s Twist again as we did last Summer“ Tanz einzulegen. „Mach dasselbe!“ , schreit er. „Du muss dich da einbohren und wenn du so etwas wie einen Stein zwischen deinen Füssen spürst, dann ist das eine Muschel!“ , schreit er noch lauter. Die Brandung ist stark und das Wasser so kalt, dass ich schnell meine Füße nicht mehr spüre. Ja, let´s twist again as we did last summer… aber richtige Sommergefühle kommen bei mir nicht auf.

 
 

Nach einer Stunde, jedoch gefühlten 3 oder 4 Stunden, komme ich zitternd mit einer Handvoll Muscheln aus dem Wasser heraus. Die Muscheln von Justin, seinem Assistenten und mir - the catch of the day kommen alle zusammen in einen Potjie Pot, einem dreibeinigen gusseisernen Topf. Justin bereitet darin eine Art herrlich duftenden Mussel Chowder mit Butter, Basilikum, Knoblauch und Chili zu. Dazu gibt es einen Chardonnay von Hamilton Russell, gerade im Atlantik gekühlt, eisgekühlt wäre präziser. Eigentlich sehne ich mich gerade mehr nach einer heißen Tasse Tee. Es ist kurz nach zwei. Essen ist bald fertig. Die Sonne brennt und ich stecke meine Füße tief in den warmen Sand. Die Welt ist wieder in Ordnung und alles schmeckt phantastisch.