Die Mojito Theorie

Exploring | La Habana, Cuba

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Woher kommt eigentlich der Name Mojito?

Ich dränge mich durch das Tanzlokal. Es ist voll. Es ist heiß. Es ist dunkel. Links und rechts, vor und hinter mir eine Masse aus schweißgebadeten Körpern in allen möglichen Hautfarbschattierungen. Sie tanzen zu Rumba, Son und kubanischer Reggaeton, auch Cubaton genannt. Flüssigkeiten treten aus allen Poren. Die Luft ist so dick, dass man sie mit einem Messer schneiden könnte. Ich muss hier raus. Ich schaffe es endlich. Beim Verlassen dröhnt mir noch der Kopf. Wieso ist es auf einmal so hell? Es ist echt spät -oder früh - geworden. Was auch immer. Die Straße ist leer. Mir ist schwindelig. Ich frage mich wie viele Mojitos ich in den letzten Stunden in diesem Tanzschuppen getrunken habe. Waren es sechs- sieben- oder achteinhalb?

Wieso ist es auf einmal so hell? Es ist echt spät -oder früh - geworden. Was auch immer. Die Straße ist leer. Mir ist schwindelig. Ich frage mich wie viele Mojitos ich in den letzten Stunden in diesem Tanzschuppen getrunken habe. Waren es sechs- sieben- oder achteinhalb?

Schwankend gehe ich die Straße hinunter, zum Malecón, Havanas Uferpromenade.  Die Brise des Meeres wird mir hoffentlich gut tun, ich möchte kurz das Meer sehen, bevor ich endlich schlafen gehe. Der Tag ist lang gewesen. Er hat morgens in einer Bar im Zentrum Havannas um 10 Uhr angefangen. Mit einem Mojito. Klingt seltsam… aber ich bin doch in Havanna!

 
 

Guillermo, der „Isleño“

„Wo man den besten Mojito in Havanna trinken kann, kann ich Dir wirklich nicht sagen“ ,sagt Guillermo, der wie ich, aus den Kanarischen Inseln stammt und in Miramar - einem Viertel von Havanna, ein luxuriöses Hotel leitet. Heute hat er sich für mich einige Stunden frei genommen und wir sitzen in einer Bar in der Calle Opispo. „In Havana kann man fast überall gute Mojitos trinken. In der Bodeguita del Medio sind die Mojitos wegen Ernest Hemingway berühmt, aber am besten schmecken sie dort, wo gute Laune herrscht“ , meint er. Gute Laune scheint es in der Bar „La Lluvia Dorada“ im Übermaß zu geben. Die Gäste, eine Mischung aus Touristen und Lokale, trinken und tanzen zur Live Musik. Es wird geflirtet und gegrapscht. Dabei ist nicht einmal Mittag. Der Barkeeper serviert mir auf Befehl von Guillermo gleich einen Mojito während er  noch schnell seinen Morgenkaffee runterschlürft. Ich schaue den Mann hinter der Bar etwas verdutzt an. „Keine Sorge, den Mojito schwitzt du beim Tanzen gleich wieder raus“, fügt er augenzwinkernd hinzu. „Du bist auch ein „Isleño“ wie Guillermo, nicht wahr?“, fragt der Kellner, der anscheinend meinen Dialekt davor schon erkannt hatte.

Als „Isleños“ („aus den Inseln stammend“) werden in Kuba liebevoll die Nachfahren der ausgewanderten Einwohnern der zu Spanien gehörenden Kanarischen Inseln bezeichnet, was irgendwie seltsam klingt, den Kuba ist selbst eine Insel. In Kuba bilden die Isleños und Ihre Nachfahren eine große Gemeinschaft. Das kanarische Spanisch, dass als die sanftere Version der spanischen Dialekte bekannt ist (man benutzt sehr oft die Verniedlichung „-ito“), beinhaltet eine Anzahl portugiesischer Lehnwörter, unter anderen Mojo, aus dem portugiesischen Molho stammend. Als Molho bezeichnet man in Portugal eine bestimmte Soße, die aus Olivenöl, Salz, Wasser, Weinessig, Knoblauch, Paprika, Chilischotten, verschiedene Gewürzen wie Kreuzkümmel und Koriander besteht und mit einem Mörser zubereitet wird. Mit den portugiesischen Seefahrern kamen die Molho-Soßen zu den Kanarischen Inseln und wurden, nach einer Abwandelung ins spanischen zu Mojo. Mojo- Soßen spielen seitdem eine große Rolle in der kanarischen Gastronomie (Mojo Picón – mit Paprika und Mojo Verde mit Koriander).

Mit den kanarischen Auswanderern kam dann der Mojo Canario (Kanarischer Mojo) nach Kuba und verwandelte sich in das Mojo Cubano (Kubanischer Mojo), der aus Knoblauch, Zwiebeln, Olivenöl, Oregano, Salz und einer Mischung aus dem Saft von Limetten und Orangen zubereitet wird.

Mit den kanarischen Auswanderern kam dann der Mojo Canario (Kanarischer Mojo) nach Kuba und verwandelte sich in das Mojo Cubano (Kubanischer Mojo), der aus Knoblauch, Zwiebeln, Olivenöl, Oregano, Salz und einer Mischung aus dem Saft von Limetten und Orangen zubereitet wird. Diese Früchte sind im Karibischen Raum viel bekömmlicher als der Essig der Originalrezeptur aus den Kanarischen Inseln. Der Mojo Cubano begleitet als Soße oder Marinade das Lechón asado (gegrilltes Schwein), gegrilltes Huhn und viele andere Fleischgerichte, und es gibt natürlich vom Mojo Cubano fast so viele Variationen wie Kubaner auf der Insel: Mojo Criollo, Mojo Tomate, usw. sind nur einige bekannte Namen.

 
 
 
 

Woher kommt der ursprüngliche Name für Mojito dann?

Manche Quellen sagen, dass der Name Mojito möglicherweise, wie die Soße Mojo Cubano, auch kanarische Wurzeln hat. Die kanarischen Einwanderer in Kuba arbeiteten meist in den Zuckerrohrplantagen, wo  Zuckerrohrsaft zu Rum verarbeitet wurde.

Eine Theorie besagt, dass das Wort für das Getränk aus "Mojadito" (etwas Nasses) entstand und es dann zu Mojito wurde (Wikipedia: "...the name Mojito is simply a derivative of mojadito (Spanish for "a little wet") or simply the diminutive of mojado ("wet"). Due to the vast influence of immigration from the Canary Islands, the term probably came from the mojo creole marinades adapted in Cuba using citrus vs traditional Isleño types").

Doch „Mojadito" (etwas Nasses) macht für mich wenig Sinn. Viel mehr glaube ich,  dass „Mojito“ sich von „Majadito“ (mit „a“ anstatt mit „o“ nach dem M) ableitet. „Hacer un Majado“ oder „Majadito“ - im spanischen Dialekt  der Kanarischen Inseln lieblich gemeint „etwas zerstampfen“ - ist genau das, was man tut, wenn man eine „Mojo“ Soße im Mörser zubereiten möchte. Wenn man einen Mojito zubereitet tut man auch die Minzblätter leicht zerstampfen, allerdings im Glas und meistens mit einem Löffel.

Der Weg von "Majadito" zu „Mojito“ ist dann schnell erklärt:

Weil man auf den Kanarischen Inseln sehr schnell spricht, schluckt man beim Aussprechen gern Buchstaben und sogar ganze Silben (in Kuba tut man das auch), so dass ein Wort wie "Majadito",  schnell in das noch kürzere "Majaito" und dann in das viel kürzere "Mojito" mutieren kann. Der Name Mojito ist also eine Verniedlichung von etwas Zerstampften in komprimierter Form.

Der Name Mojito ist also eine Verniedlichung von etwas Zerstampften in komprimierter Form.

"Heute trinke ich patriotisch" ,sage ich zu Guillermo nach der Erklärung meiner Mojito Theorie während ich mein Tanzbein schon schwingen möchte. Die Band ist einfach zu gut und reißt alle mit . "Okay, wenn dich die Mojitos so sehr interessieren, komm doch heute Abend zu uns in die Hotelbar, wir testen gerade eine neue Cocktail-Karte, darunter auch manche ausgefallene Mojito Variationen. Da kannst du bei uns auch gleich im Restaurant was typisch kubanisches essen“.

Und so kam es, dass ich nach der Mojitoverkostung, einer Mangosuppe und einem gegrillten Huhn mit Mojo Cubano im Hotelrestaurant von Guillermo spätnachst in einer anderen Bar landete und  sechs, sieben oder achteinhalb Mojitos trank.